Artist's Favourites von Elizabeth Peyton

 Setfoto von Vincente Minnellis  „Madame Bovary" mit dem Regisseur, Jennifer Jones und Louis Jourdan
 Iceage
 The English Concert
 Installationsansicht Klara Lidén, „It’s Complicated“, Reena Spaulings, New York 2014

Ich habe so viele lieblingskünstler ... einen ganzen berg ... hier also die spitze dieses berges ... Dinge, die ich lebe und atme, die mich inspirieren und für die ich dankbar bin .... Nichts davon mag „neu“ sein, aber vielleicht sind sie neu für sie oder wert, an sie zu erinnern ... so viele Kunstwerke können noch einmal völlig neu erfahren werden, je nach dem Augenblick, in dem man ihnen begegnet ...

GUSTAVE FLAUBERT
Flaubert könnte wirklich an jeder Stelle meiner Top Five stehen. Ich bin völlig fasziniert von der Entstehungsgeschichte von „Madame Bovary“ ... 1849, nachdem er seinen zwei besten Freunden fünf Tage lang ohne Unterbrechung sein erstes Buch „Die Versuchung des Heiligen Antonius“ vorgelesen hatte, die ihm umgehend rieten, „es den Flammen zu übergeben ...“, brach Flaubert zu einer drei Jahre langen Reise durch den mittleren Osten und Ägypten auf (er war 27), und es scheint als habe er hier – im Anblick der Realität von Orten, über die er zuvor auf atemberaubendste und romantischste Weise geschrieben hatte ohne sie gesehen zu haben – zu einer Schreibweise gefunden, die aus dem Blick auf die Dinge vor ihm rührte, und dem Vertrauen ins Zusammentreffen seiner Wahrnehmung mit der Welt vor seinen Augen; eine minimale Kollision, eine subtile Explosion reinster Schönheit ... das Atemberaubende musste nicht eigens heraus gestellt werden, es brauchte nur die richtigen Augen, um es sichtbar zu machen ....
Seit ich „Madame Bovary“ vor acht Jahren wieder las, ist mir Flaubert ein ständiger Begleiter ... in letzter Zeit ist er mir wieder sehr nahe, seit ich Lydia Davis’ Übersetzung von „Madame Bovary“ gelesen habe und auch „Flaubert in Ägypten“ wieder las, eine von Francis Steegmüller übersetzte Ausgabe seiner Briefe. Liest man diese Briefe – die meisten gingen an seine Liebhaberin/Vertraute Louise Colet und auch, besonders ausführlich, an seine Mutter –, zeigt sich sein kompromissloses, reiches und elegant-schönes Denken ... so tröstlich ... so verständnisvoll ... aber auch messerscharf gegenüber Falschheit und Zynismus.
„Madame Bovary“ ist präzise und kontrolliert ... wir selbst sind Emma und reiten mit fliegenden Hutbändern im Spiel von Licht und Schatten ... aber wir wissen, dass es zutiefst falsch ist, so erstickend ... eine Art von Romantik, die Gift ist. Ich las es einige Zeit nach dem Tod meines Vaters und hatte das Gefühl, ich kämpfte mit dieser Idee von Romantik, und Flaubert half mir da heraus – er half mir zu verstehen ... es gibt kein Leben ohne Dunkelheit, Zerfall, Tod, und vor allem Veränderung ... Die Liebesromane, die Emmas Sehnsucht nährten, gaben ihr – wie Prinzessin Diana – eine Vorstellung von Liebe, die niemals erfüllt werden oder erfüllend sein konnte ... (Zwei andere Bücher, die mir das klar machten: „We“ von Robert A. Johnson, eine jungianische Analyse des Mythos von Tristan und Isolde; und „Lob des Schattens“ von Jun’ichiro Tanizaki.)

 

 

AKTUELLE DÄNISCHE MUSIK 
Sollten Sie es noch nicht wissen ... es gibt derzeit unglaublich gute Musik aus Dänemark ... alle Arten von Musik ... Gitarren- bis Industrial/alles miteinander vermischt ... von Bands wie Lower, Iceage, Vår, Lust for Youth, Marching Church und vielen anderen ... eine starke lokale, enge Community ... voller Ernsthaftigkeit und Liebe ... die Musik hervor bringt, die vollkommen einzigartig klingt ... .

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THE ENGLISH CONCERT 
Es gibt kaum etwas Beeindruckenderes als etwas sehr Altes zu sehen, das sich sehr zeitgenössisch und lebendig anfühlt ... Die ersten Minuten der Aufführung von Händels „Alcina“ durch dieses Barockorchester waren für mich erschütternd ... alt in dem Sinne, wie es fast dreihundert Jahre alte Dinge, auf die man achtgegeben hat, sein können. Die Oper ist kompakt, sie ist feinsinnig, sie verströmt ihre historische Atmosphäre ... dabei klang aus ihr diese ausgelassene Freiheit, die die Musiker ihr verliehen ... Die Empfindung ... die tiefe Leichtigkeit ... Ich bin offen gesagt sprachlos ....

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KLARA LIDEN „IT’S COMPLICATED”, REENA SPAULINGS, NEW YORK
Ich sehe selten Kunst, die einfach nur großzügig, ehrlich und schön ist. Ich glaube Yvonne Rainer schreibt in ihren Memoiren darüber, wie sie zum Tanzen kam, dass für sie das Ehrlichste, das es gab, zwischen dem Inneren ihres Körpers und der äußersten Grenze ihrer Haut lag. Klara arbeitet so kraftvoll mit dieser Wahrheit – indem sie sich selbst zum Werkzeug macht und sich in ihre Arbeit einbringt. Ihr Körper ist sich selbst Erklärung und Grund. Egal ob sie sich selbst filmt oder Möbel baut, alles spielt sich zwischen den inneren und den äußeren Rändern ihres Seins ab und umfasst auf wunderbare Weise alle Dimensionen ihres Menschseins.

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DAVID BOWIE „HEATHEN“
Das ist definitiv nicht neu, für mich aber glücklicherweise schon. Es ist von 2001 – produziert in New York vor und nach dem 11. September. Die Melancholie und der Schmerz in seiner Stimme mit dem wunderbaren Synth-Softrock (Ich meine das nicht abschätzig!) sind so wunderschön ... In allen späten Sachen von Bowie klingt sein Alter durch seine Stimme, was so wichtig ist: Ich muss wissen wie das klingt. „Slip Away“ bricht mir das Herz ... es sind so viele großartige Songs auf dem Album ... ahhh und das Cover!

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Die 1965 geborene US-amerikanische Malerin Elizabeth Peyton wurde in den 1990er Jahren für ihre Porträts von Freunden, Celebrities und historischen Figuren bekannt. Sie entwickelte für ihre androgynen Darstellungen im kleinen Format einen unverkennbaren Malereistil, der die lasierend in Öl auf Gipsgrund gemalten Bilder kristallern zum Leuchten bringt. Zu ihren letzten Ausstellungen gehören eine Soloshow in der Kunsthalle Baden-Baden 2013, Beteiligungen im Yorker New Museum oder der Fondation Vincent Van Gogh in Arles. Sie wird von den Galerien Sadie Coles, neugerriemschneider, Gladstone, Regen Projects und Gagosian vertreten und lebt in New York.