Artist's Favourites von Anicka Yi

 "Tödliches Kommando - The Hurt Locker", 2009
 Eleanor, Sofia, Gian-Carlo, Roman und Francis Ford Coppola
 Still aus "Citizenfour", 2014
 Still aus "The Wire", 2002-2008

Ich bin sehr schlecht mit solchen Lieblingslisten, aber diese Künstler bedeuten mir wirklich viel, und man wird sehr leicht ihren Einfluss auf mein Denken erkennen.

KATHRYN BIGELOW

Sie hat nicht nur einige der einflussreichsten Filme der letzten zwei Jahrzehnte gemacht – „Gefährliche Brandung“ (1991), „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ (2009), „Strange Days“ (1995) – sondern auch als erste Frau den Oscar für die beste Regie gewonnen. Ich bewundere wie es ihr gelingt, Politisches, Soziales, Intellektuelles und Esoterisches für das große Publikum zu verdichten. Die Art, wie sie sich als Künstlerin und Intellektuelle auf Hollywood eingelassen hat, wird für mich immer ein Maßstab dafür sein, was man als zeitgenössische Künstlerin erreichen kann.
*1951 in San Carlos, Kalifornien, lebt in Beverly Hills

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ELEANOR COPPOLA

Eleanor Coppola ist Co-Regisseurin und die Erzählstimme von „Reise ins Herz der Finsternis“, die Dokumentation über „Apocalypse Now“ aus dem Jahr 1991. Die Frau von Francis Ford Coppola und Mutter der Coppola-Kinder veröffentlichte 2008 die Biografie „Notes on a Life“, in der sie vor allem von den Jahren auf den Philippinen während der Dreharbeiten von „Apocalypse Now“ erzählt. Außerdem ist sie bildende Künstlerin, arbeitet mit Textilien und stellt weltweit in Galerien aus. Ich habe immer ihre stille Magie als Ehefrau und Mutter bewundert, die im Schatten ihres megalomanen Mannes eine Familie großzieht und trotzdem ihre eigenen Interessen verfolgt. Sie ist als Frau den konventionellen Weg von Heirat und Familie gegangen und hat gleichzeitig geschafft, über diese Rollen hinaus eine Stimme zu entwickeln, die im Gebrüll der lautesten Affen im Gehege sonst häufig untergeht.
*1936 in Los Angeles, lebt in Napa Valley, Kalifornien

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LAURA POITRAS

Ihre Filme sind eine Form politischer Praxis, die man in der zeitgenössischen Kunst selten antrifft. Wie sie es schafft, sich persönlich in ihre Filme einzubringen, ihre eigene Sicherheit aufs Spiel zu setzen, wenn sie den Praktiken und illegalen Methoden der US-Regierung nachgeht, und mit ihren wirklich fesselnden Filmen den Blick auf unsere ziemlich kaputten Systeme zu lenken: Das hat mir für meine eigenen Projekte ein Gefühl von Dringlichkeit gegeben. Kunst kann ein Werkzeug für soziale Gerechtigkeit sein. Sie muss nicht von den Realitäten abgeschnitten sein, die uns umgeben.
*1964 in Boston, lebt in Berlin

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DAVID SIMON

Fast alle sind sich einig, dass die Fernsehserie „The Wire“ von David Simon als Pflichtprogramm in die Schulen gehört – als hypnotische Darstellung des Zerfalls der amerikanischen Gesellschaft im 21. Jahrhundert. Ich muss oft an seine Worte denken: „Wir bekommen das Amerika, für das wir bezahlt haben.“ Für mich ist er eine wichtige kritische Stimme in Kultur und Politik – wichtiger als Theoretiker und Philosophen, die zu tief in ihrem eigenen beruflichen Kontext stecken um die harte, einfache Wahrheit ausprechen zu können, dass wir in schrecklichen Zeiten leben, was allein schon der Blick auf die Klassen- und Rassenprobleme zeigt, die uns zerstören.
*1960 in Washington, D.C., lives in Baltimore

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TRISTAN GARCIA

Der französische Spekulative Realist ist auch Schriftsteller. Er war Mitte zwanzig als „La meilleure part des hommes“ [dt.: Der beste Teil der Menschen] in Frankreich erschien. Es ist ein Buch über das Ende der Ideologien und den Zerfall der Linken, angesiedelt in den Pariser Schwulencommunities der 1980er und 90er Jahre. Es ist verblüffend wie es ihm gelingt, sich in die Moral und das Wissen der Zeit hinein zu versetzen, ohne sie selbst erlebt zu haben. Garcia ist einer der wenigen Autoren, die die jüngste Vergangenheit begreifen, um die Gegenwart zu verstehen.
*1980 in Toulouse, lebt in Paris

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Die 1971 in Seoul geborene Anicka Yi beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit ökologischen und sozialen Kreisläufen. Sie nutzt unter anderem Pflanzen und Bakterien als Material und übersetzt unsichtbare wissenschaftliche Phänomene in Installationen, die oft nicht nur den Seh-, sondern auch den Geruchssinn ansprechen. Ihre Arbeiten waren zuletzt auf der Taipei Biennale 2014 zu sehen, in der New Yorker Galerie 47 Canal, die sie vertritt, in der Berliner Galerie Lars Friedrich (2014) und in ihrer jüngsten Museumsausstellung in der Kunsthalle Basel (2015). Sie lebt in New York.