Jean-Michel Basquiat in der Schirn

Review
 Jean-Michel Basquiat at Area, New York (1994)
 Jean-Michel Basquiat and Andy Warhol Arm and Hammer II  (1984) Guarded by Bischofberger, Männedorf-Zurich, Switzerland, © VG Bildrecht Wien (2018) & The Estate of Jean-Michel Basquiat, Licensed by Artestar, New York, Courtesy Galerie Bruno Bischofberger, Männedorf-Zurich, Switzerland
 Jean-Michel Basquiat A Panel of Experts  (1982) Gift of Ira Young, © VG Bildrecht Wien (2018) & The Estate of Jean-Michel Basquiat, Licensed by Artestar, New York, Courtesy The Montreal Museum of Fine Arts, Foto: MFA, Douglas M. Parker
 Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt (2018), Kunstwerke: © VG Bildrecht Wien (2018) & The Estate of Jean-Michel Basquiat, Licensed by Artestar, New York Foto: Norbert Miguletz
 Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt (2018), Kunstwerke: © VG Bildrecht Wien (2018) & The Estate of Jean-Michel Basquiat, Licensed by Artestar, New York Foto: Norbert Miguletz
 Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt (2018), Kunstwerke: © VG Bildrecht Wien (2018) & The Estate of Jean-Michel Basquiat, Licensed by Artestar, New York Foto: Norbert Miguletz

Jean-Michel Basquiat at Area, New York (1994)

Basquiat malt wie man früher durchs Fernsehen gezappt hat und jetzt im Internet surft. Er ist der Maler der Bilderflut, dessen Vermischung der Zeichen ihn bis heute anschlussfähig macht. Bei Basquiat erkennen alle irgendetwas wieder, und wenn wir etwas wiedererkennen, finden wir es toll. Wenn griechische Mythen genauso zum Bildthema werden wie Cornflakes, Stereokassetten, Dinosaurier oder Picassos Pullover, wird vom Kind bis zum Kunsthistoriker jeder in seinen kulturellen Referenzen bestätigt. Das macht Basquiat mit so viel Enthusiasmus, Interesse an seinen Quellen und formalem Gespür, dass es schwer ist, sich dem Charme seiner Kunst zu entziehen. 

 

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Viel besser als Warhols Indifferenz-Pose passt seine Begeisterungsfähigkeit in unsere post-coole Zeit, die unbedingt verzaubert werden will, ganz gleich ob von Gucci oder Goya. Seine Bilder sind handschriftliche Piktogramme, seine Selbstporträts lassen ihn zur Chiffre werden, und seine Werke kombinieren das spurhafte Kritzeln mit konventionell-symbolischen Codes. Nicht zuletzt passt er deshalb auch formal in eine Zeit der Icons, Pictos und Emoticons, die sich gleichzeitig so sehr nach Materialität sehnt, dass Unternehmen wie Burger King und Sony Music genauso auf malerische Darstellungen zurückgreifen wie die Wahlkampagne des österreichischen Präsidenten van der Bellen. Dass die Schirn fast ausschließlich mit der Basquiat-Krone für die Ausstellung wirbt, welche die Mitarbeiter auch mit Kreide an unterschiedlichen Orten der Stadt platzieren, zeigt, dass sie seine Zeitgenossenschaft verstanden hat und zu nutzen weiß. 

 

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Die Ausstellung selbst spiegelt die Diversität der Medien, Aktivitäten und Darstellungsformen, die Basquiat in knapp zehn Jahren von 1977–88 beschäftigt haben. Der Parcours beginnt in einem Flur, in dem Fotos von Graffitis hängen, die Basquiat mit seinem Freund Al Diaz unter dem Namen SAMO© (für „Same old shit“) in New York verteilt hat. Diese Tags sind hauptsächlich textbasiert. Insgesamt räumt die Ausstellung dem schreibenden Basquiat fast genau so viel Platz ein wie dem Malenden. Das passiert besonders prominent auf einer Wand mit Seiten seiner poetischen Notizbücher. Nach den Graffiti-Fotos von Henry Flynt erscheinen im ersten Raum Polaroids der Stylistin Maripol, die 1979–84 bei Partys entstanden sind, außerdem Collagen und eine Vitrine mit Postkarten, die Basquiat mit seiner Jugendfreundin Jennifer Stein entworfen hat. Auch der Film New York Beat Movie (bzw. Downtown 81), in dem Basquiat die Hauptrolle spielt, ist in voller Länge zu sehen. Besonders spannend ist, dass die erste Basquiat-Wand in einer Ausstellung, nämlich aus „New York, New Wave“, kuratiert von Mudd-Club-Gründer Diego Cortez, 1981 originalgetreu rekonstruiert wurde.

 

Jean-Michel Basquiat
"Boom for Real"
Schirn Kunsthalle Frankfurt
6.2. – 27.5.2018

 

KLAUS SPEIDEL is an image theorist, art critic and curator, based in Vienna.

 

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