Opening: Sophie Reinhold bei Sophie Tappeiner

Interview

Ein Interview mit der Künstlerin kurz vor der Eröffnung ihrer Soloausstellung bei Sophie Tappeiner in Wien. 

 

„Die Malerei ist die Malerei und das hier ist Malerei, da brauche ich nicht noch andere Punkte bedienen“ sagt Sophie Reinhold, die heute Abend ihre Soloausstellung „What if everything was the same? Exchange of Vacuums“ bei Sophie Tappeiner eröffnet. In ihren Malereien verwendet die Künstlerin selten kräftige Farben und wenn doch, wäscht sie sie wieder herunter: „Ich ertrage es nicht, weil die Information so klar ist, das ist mir zu einfach." Wenn sie „maltmalt“, wie sie es ausdrückt, ist Reinhold ein bisschen manisch, sagt sie lachend. Ihren Werken sagt sie auch gerne mal „I love you“ bevor sie sie freigibt.

Während unseres Gesprächs lehnen die Arbeiten noch in ihren Schutzrahmen an den Wänden der Galerie von Sophie Tappeiner. Dass sie aber sichtbar sind, scheint Sophie Reinhold zu beruhigen. Sie beginnt zu reden:

 

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Sophie Reinhold: Die Wände der Galerie sind schon sehr passepartout-artig aufgestellt. Du hast keine geschlossenen Räume, wo du Stimmung in sich erzeugst und ich mag schon Geschichten erzählen, gerade durch die Hängung. Für mich ist da eine ganz klare Logik und die muss immer neu zu finden sein. Ganz klar war, dass ich eine große Arbeit haben wollte. Diese [zeigt auf das Bild gegenüber vom Eingang] ist aber tatsächlich schon wieder maßlos groß – sie wirkt so klein hier drin, aber die habe ich tatsächlich schon seit drei Jahren im Kopf, das ist verrückt.

Gianna Virginia Prein: Ist das oft so bei deinen Arbeiten, dass du sie sehr lange vorab konzipierst?

Ja, ab einer bestimmten Größenordnung brauchst du auch ein bestimmtes, energetisches Selbstwertgefühl [lacht], dass du dir zutraust eine bestimmte Größe zu bearbeiten. Zumindest bei mir ist das so. Ich träumte schon davon, aber ich habe nicht die Kraft gehabt, es umzusetzen – ich dem gegenüberstehend.

Wie stehst du denn alsich deinen Bildern gegenüber?

Naja, ich versuche schon, gerade bei den Monochromen, dass sie nicht direkt auf mich referieren. Mir ist wichtig, dass die Arbeiten eine eigene Kühle haben. Auf der anderen Seite steckt da soviel ich drin, sie könnten gar nicht näher sein, da wir ja auch so wahnsinnig viel Körperkontakt hatten (lacht). Es ist total irre, ich meine, ich schleife mich dumm und dämlich. Ich gebe sie auch erst raus, wenn ich sie wirklich mag.

Du arbeitest viel mit Gestein in deinen Malereien….

Das Marmormehl war eher so ein Mittel zum Zweck. Als ich angefangen habe, ging es gar nicht um den Effekt von Marmor, das langweilt mich eher. Die Leute springen ja auf so Wörter an. Interessant sind da eher noch die anderen Materien, die ich verwende, also Graphit, Granit, Spanischer Hämatit oder Wismut – ich habe da ein großes Spektrum an Steinmehlen und Metallmehlen. Was mich interessiert, ist der Ist-Zustand, es ist was es ist. Du veränderst es vielleicht in der Konsistenz durch die Zugabe von Acryl, du verputzt es, es trocknet, dann schleifst du es, aber es ist immer noch Marmor oder Granit. Nur dadurch, dass ich es bearbeitet habe, kriegt es eine andere Geschichte.

 

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Wie setzt sich die Form deiner Leinwände hier zusammen?

Ich dachte mir schon: „oh Gott jetzt mache ich shaped canvas“. Aber ich dachte mir auch, ich nehme die Form einfach eins zu eins: Das sind eigentlich Eckbadewannen. Der Ort der Hygiene und das Bad ist ein raumschaffender Ort, dessen Oberfläche und Glattheit sich die Formen der menschlichen Kontur aneignet. Es wird ein Raum geschaffen, dem du dich sozusagen anpasst. Deswegen auch der Titel, es wird alles Eins.

Das führt zu meiner eigentlichen Anfangsfrage: What If Everything Was The Same? Exchange Of Vacuums“  – Was ist der Titel der Ausstellung für dich und wieso wird er im Facebook Header des Eröffnungsevents zur auditiven Spur, sogar rückwärts gespielt?

Der Titel hat in sich etwas Maschinelles, gleichzeitig erzeugt er eine bestimmte Atmosphäre, ist auf eine Art melancholisch. Es ist auch wie ein Atmen gedacht, das Aussprechen, das zurückspulen, einatmen, ausatmen, …

…von einem digitalen tool?

Ja, das noch obendrauf. Es löst sich in einem Algorithmus auf, der gespeichert ist, der sozusagen vorgibt, wie wir atmen sollen. Dieses Vakuum, das du in deinem Atelier als Künstler erzeugst, ist dein eigener exchange. Gleichzeitig willst du dich ja gar nicht nur exchangen mit dir selber. Isa Genzken sagt in einem Interview: „Ich trage die Verantwortung.“ Sie hätte es nicht schöner sagen können.

 

http://www.sophietappeiner.com 

Sophie Reinhold wird von der Galerie Tobias Nehring vertreten. http://tobiasnaehring.de 

 

GIANNA VIRGINIA PREIN ist Autorin und Künstlerin. Sie lebt in Wien.

 

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